REWE-Logistikzentrum, Eitting bei München
Steigende Energiekosten zwingen im Logistikbau zum Umdenken: REWE als Wegbereiter in der Branche
Nachhaltigkeit und architektonischer Anspruch werden immer wichtiger. Maßnahmen senken den Stromverbauch um bis zu 50%
7. Dezember 2010 - Logistikbauten machen aufgrund ihrer baulichen Natur unter betriebswirtschaftlichen und nachhaltigen Gesichtspunkten bislang keine gute Figur. Wenig ansehnliche Funktionsbauten mit möglichst geringen Investitonskosten realisiert, dienen dem Betreiber meist nur dem Zweck, Waren aller Art zu lagern, neu zu kommissionieren und auszuliefern. Die Außenwandflächen sind überwiegend von schlecht isolierten Sektional- oder Rolltoranlagen geprägt, die sowohl im Winter als auch im Sommer während der Umschlagdauer längere Zeit offen stehen bleiben und damit hohe Wärme- bzw. Kälteverluste bedeuten. Stromfressende Kältemaschinen, Lüftungsanlagen und eine durchgehende künstliche Beleuchtung in den Lagerhallen sind schlechte Voraussetzungen für eine positive Energiebilanz und einen wirtschaftlichen Betrieb. In den Zeiten der „Energiewende“ für Neubauten ein untragbarer Umstand.
„Ausufernde Betriebsausgaben für Wärme- und Energieversorgung, aber auch für Wartung und Instandsetzung belasten Betreiber im Logistikbereich des Lebensmittelhandels in besonderem Maße“, sagt Sven Koberstein, Dipl.-Ing. (FH) Architekt des PUNKTEINS Generalplanungsbüros. Die REWE-Group beauftragte die Planer aus Hamburg, ein nachhaltiges, kostenoptimierendes Konzept für den Bau eines neuen Logistikzentrums in Eitting bei München zu erarbeiten. Die Planung sieht ein Umdenken bei der Energieversorgung, die
Suche nach neuen Strategien bei der Gestaltung von Betriebsabläufen und mehr Sensibilität im Umgang mit Rohstoffen vor. Die Betriebskosten werden dabei konsequent auf die Lebenszeit des Gebäudes hochgerechnet. Dadurch werden neue Technologien in der Wärme- und Kälteerzeugung, der Beleuchtung sowie bauliche Maßnahmen wie erhöhte Dämmstärken an Außenbauteilen, die bis vor kurzem wegen der höheren Investitionskosten noch dem Rotstift zum Opfer fielen, nun auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten interessant.
Die Maßnahmen im Detail:
Fernwärme aus Biomasse und Photovoltaikanlagen auf dem Dach
Biogas aus nachwachsenden Energieträgern und landwirtschaftlichen
Reststoffen wird im Logistikzentrum als Primärenergieträger eingesetzt. Um die hohen Vorlauftemperaturen der Biogasanlage von 85ºC unmittelbar nutzen zu können und nicht erst verlustreich herunter regeln zu müssen, wird im Lager statt auf eine Fußbodenheizung auf ein System aus Deckenstrahlplatten gesetzt. In den Sommermonaten hingegen wird mittels einer Absorberanlage die Umwandlung der Wärme in Kälte für die Kühlung der Büros genutzt. Die gigantischen Dachflächen dienen zur Aufstellung von Photovoltaikanlagen (PV) mit Einspeisung in das öffentliche Stromnetz. Die Rückvergütung für den eingespeisten Strom dient dazu den Wirtschaftlichkeitsfaktor des Gebäudes – und gleichzeitig die Öko-Bilanz im Hinblick auf die Nachhaltigkeit zu verbessern.
Neue Lichtkonzepte helfen Energie sparen und sorgen für besseres Licht
Um den Einsatz elektrischer Beleuchtung zu reduzieren, wird im Lager
verstärkt auf die Nutzung von Tageslicht sowie Lichtbändern mit modernen T5-Leuchtsstoffröhren gesetzt. Tageslicht wirkt sich positiv auf das Wohlbefinden der Mitarbeiter aus, T5-Leuchten bieten gegenüber herkömmlichen T8-Leuchten trotz höherer Anschaffungskosten viele Vorteile: Eine deutlich höhere Lichtausbeute pro Watt bei etwa 50% weniger Materialeinsatz, eine Lebensdauer von zehn statt fünf Jahren und einen um ca. 10% niedrigeren Stromverbrauch. Der Einsatz moderner LED-Leuchten im Außenbereich soll den Stromverbrauch um 50% gegenüber der herkömmlichen Leuchtentechnik mit Halogen-Metalldampflampen senken - bei einer erheblich gleichmäßigeren Ausleuchtung und einer fünfmal längeren Lebensdauer.
Sinnvolle Investitionen in die Gebäudehülle
Logistikzentren und Lagerstandorte werden verstärkt als Aushängeschild ihrer Betreiber entdeckt und damit steigt auch der architektonische Anspruch. Zur energetischen Optimierung nach „EnEV 2009“ wurde bei der Wärmedämmung eine stärkere Mineralwolldämmung von 180 mm auf dem Dach eingesetzt, um die Transmissionsenergieverluste so gering wie möglich zu halten. Zudem wurde bei der Wahl von Fenstern, Sektionaltoren und Isowandpaneelen auf niedrige Wärmedurchgangskoeffizienten geachtet. Gezielte Maßnahmen beim Liefer- und Personenverkehr Ein zentrales Thema in Logistikbetrieben ist der Umgang mit Liefer- und Personenverkehr. Bordeigene Kälteanlagen von LKWs produzieren eine Menge Lärmemissionen und stören damit die Nachbarschaft und die Tierwelt.
Aus diesem Grund werden Versorgungsinseln mit externen Stromanschlüssen für die LKW installiert. Um den Fahrzeugverkehr der rund 300 Mitarbeiter am Standort zu reduzieren, erhält das Logistikzentrum an der Grundstückseinfahrt eine Bushaltestelle des öffentlichen Personennahverkehrs.
Nachhaltigkeit für die Mitarbeiter
Nachhaltigkeit bezieht sich nicht nur auf ökologische Gesichtspunkte, sondern auch auf den schonenden Umgang mit der „Ressource Mensch“. Deshalb steht Mitarbeitern ein Gymnastikraum zur Verfügung, um mit gezielten Übungen vor und nach der Arbeit Gelenk- und Rückenbeschwerden vorzubeugen. Für die Lagerhalle ist eine Entstaubungsanlage geplant, um die Atemluft zu filtern und so typische Atemwegserkrankungen bei Lageristen vermeiden zu helfen. Im Außenbereich wird das anfallende Regenwasser in einem Versickerungsbecken gesammelt, das mit einer Freiflächenplanung und einem Pflanzplan zu einer „ökologischen Insel“ gestaltet wird. Angestellten stehen Bänke für die sommerliche Brotzeit zur Verfügung. Für den Nichtraucherschutz ist Rauchen im gesamten Gebäude untersagt, Zigarettenpausen können in überdachten Raucherpavillons im Außenbereich sowie im offenen Innenhof wahrgenommen
werden.





