Interdisziplinarität als Schlüssel für nachhaltige Immobilien

Das Zusammenwirken von Bauherren, Investoren und Planern bei der Erstellung eines Gebäudes.

 

Text: Dipl. Ing. Jonas Dietzel

 

Definition der Interdisziplinarität im Bauwesen: Bei der Planung und Errichtung eines Gebäudes, egal welcher Art und Funktion, sind unterschiedliche Charaktere beteiligt. Grundsätzlich sind es der Bauherr bzw. der Investor, die planenden Ingenieure, u.a. Architekten und Fachplaner sowie je nach Erfordernis entsprechende Behörden (Bauaufsicht, Stadtplanung, Gewerbeaufsicht, usw.)

 

Der Bauherr (1. Teil)

 

In diesem Beispiel geht es um die Person, die an einem bestimmten Standort ein bestimmtes Gebäude wünscht, um dort zu produzieren, Büroraum zu schaffen, zu wohnen oder anderweitig zu benutzen. Üblicherweise wendet sich derjenige an einen Architekten bzw. Generalunternehmer, den er mit der Planung betraut.

 

In dieser frühen Phase sollte sich der Bauherr im  Klaren sein, dass der Grundstein für das gesamte (!) Gebäudekonzept mit der Wahl dieses Partners beginnt. Somit sollte sich ein - auch unerfahrener Bauherr - damit vertraut machen, was er von diesem Gebäude erwartet. Was er sich wünscht. Was er erreichen möchte und was er vermeiden will.

 

Seien es die Rendite, ein sicherer und gemütlicher Ort zum Leben, ein Arbeitsplatz oder eine Lagerhalle - ein gebautes Gebäude beeinflusst eine Reihe weiterer Faktoren, die sich erst im Laufe der Zeit offenbaren. Neben den Kosten für die Erstellung ist der Unterhalt der entscheidende Faktor. Die Nebenkosten für Energie, Frisch- und Abwasser, Müllgebühren sowie die Reinigung sind alles Dinge,  die nach der Fertigstellung auf denjenigen Besitzer und/oder Nutzer zukommen.

 

Dieses - von Anfang an - bewusst wahrnehmen zu wollen und dafür sensibilisiert zu sein, ist Aufgabe des Bauherrn. Er kann aber darauf hinweisen, was ihm wichtig ist. Dass dies oftmals die Rendite ist, eher als die Kosten für die Heizung, ist niemandem zu verübeln. Aber steigende Rohstoffpreise, der Wandel des Klimas und ein daraus resultierendes ökologisches Verständnis und, vielmehr noch, die gestiegene Verantwortungsbereitschaft für die Zukunft sind spürbar. Ich möchte nicht sagen "sind in vollem Gange", aber der Prozeß hin zu regenerativen Energien, einem wachsenden ökologischen Bewusstsein und der Erkenntnis, dass mit vorhandenen Ressourcen anders als noch heute üblich umgegangen werden muss, ist angeschoben. Wie schnell wir ihn umsetzen können, hängt nicht nur von den Fachleuten, Experten, Wissenschaftlern und "denjenigen Anderen ab", sondern von jedem Einzelnen hier und heute.  

 

Ein Beispiel ist die Abschaffung der klassischen Glühbirne ab Herbst 2009. In Australien bereits seit Jahren beschlossen, wird auch in Europa bis zum Jahr 2012 ein Großteil der handelsüblichen und seit über 150 Jahren verwendeten Leuchtmittel vom Markt verschwinden. Mit allen Konsequenzen, beispielsweise auch jener, dass Energiesparlampen zukünftig in den Sondermüll gehören - aber damit werden wir uns bei 10-facher Lebensdauer erst ab 2020 beschäftigen müssen. Bis dahin sollten wir uns - insbesondere aber Bauherren - sich ihrer Chance, die beim Neubau besteht, bewusst werden und denjenigen Experten, die sich tagtäglich mit dem Bauen auseinandersetzen, auch darauf ansprechen. Es wird sich lohnen.

 

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Heuer-Dialog, 9. September 2010, Hamburg

 

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