Interdisziplinarität als Schlüssel für nachhaltige Immobilien

Das Zusammenwirken von Bauherren, Investoren und Planern bei der Erstellung eines Gebäudes.

 

Text: Dipl. Ing. Jonas Dietzel

 

Definition der Interdisziplinarität im Bauwesen: Bei der Planung und Errichtung eines Gebäudes, egal welcher Art und Funktion, sind unterschiedliche Charaktere beteiligt. Grundsätzlich sind es der Bauherr bzw. der Investor, die planenden Ingenieure, u.a. Architekten und Fachplaner sowie je nach Erfordernis entsprechende Behörden (Bauaufsicht, Stadtplanung, Gewerbeaufsicht, usw.)

 

Die Baubehörden (3. Teil)

 

In diesem Teil der Serie möchte ich mich denjenigen widmen, die oft über die Grenzen des rechtlich Machbaren hinaus entscheiden müßten bzw. sollten. Es sind die Baurechtsämter, Gemeindevertreter und Baudezernenten, die im Rahmen von bestimmten Vorgaben zu entscheiden haben, inwieweit Entwürfe geeignet sind, in jenem Kontext real zu (ent)stehen.

 

Oft aber wird von diesen Instititionen und Personen das Vertretbare auf ein Minimum reduziert, weil die Gefahr besteht, es könne ein weiterer Bauherr kommen, der ebenfalls abweichend von Bebauungsplänen denkt bzw. denken will. Gerade hier ist äußerste Vorsicht geboten, schließlich sollen die so schön - offensichtlich - nach purer Grundrißakrobatik geplanten Einfamilienhaus-Siedlungen nicht durch "eigene" Ideen verunstaltet werden. Die Regeln geben den Rahmen vor, klassischerweise mit 35° - 45°-Dachneigungen und immergleicher Firstausrichtung, sowie maximal einem Vollgeschoß. Das sind ja nun wirklich nicht gerade strenge Vorgaben. Aber sind es sinnvolle Vorgaben? 

Gewachsene Orte sehen anders aus

 

Nein, wenn jetzt Bauherren grüne, braune oder rote Dachziegel in glänzend oder matt als "Farbtupfer" einstreuen, reicht das doch wirklich aus, um den individuellen Gestaltungswillen zu befriedigen. Wenn es doch mal jemand schafft (vielleicht mit einem kreativen Planer - oder sogar im Team), eine Auslegung des Bebauungsplans zu erreichen, dann wird wohlmöglich der (zuvor schon) gegängelte Nachbar alle Hebel in Bewegung setzen, um dieses "Ding" zu verhindern. Gewachsene Orte sehen anders aus.

 

Was das Ganze mit nachhaltigen Immobilien zu tun hat? In der Tat sind es weniger ökologisch geprägte Tatsachen, die diesen Phänomen zugrunde liegen, als vielmehr die wenig weitsichtige Denkweise (u.a. von den Entscheidern).

 

Ob bei Planern und Architekten, bei den Bauherren oder Investoren oder eben auch bei den Baurechtsbehörden, es gehört neben der Kreativität und dem Mut vor allem eine frühzeitige Einbindung des Anderen dazu, um anspruchsvolle und interessante Gebäude zu verwirklichen. Eine nachhaltige Immobilie muss genau nach diesen Prinzipien konzipiert, genehmigt und ausgeführt werden. Es gibt heutzutage die unterschiedlichsten Formen und Ausbildungen, wie Häuser optisch und technisch realisiert werden, abhängig von der jeweiligen Ausgangsposition. Diese für den Entwurf zu berücksichtigen ist Aufgabe der Architekten, den Anspruch zu formulieren ist Sache der Bauherren. Das Ganze in die notwendigen Regelwerke einzupassen und dabei längerfristig denkend,  die Regelwerke entsprechend anzupassen bzw. weiterzuentwickeln, ist Aufgabe der Baurechtsbehörden, Bauämter und Gemeindevertreter. Hier frühzeitig in eine sinnvolle Richtung zu steuern, bedarf einer genauen Prüfung im Voraus, Offenheit für Neues, Kreativität und auch den Erfahrungen aus der Vergangen-

heit, um Baukultur und nachhaltige Umsetzung zu ermöglichen.   

Umdenken, damit innovative Häuser entstehen

 

Ich denke, dass hier ein Umdenken stattfinden und ebenso gefördert werden muss, wie die Chance, Wärmepumpen, Passivhäuser und andere regenerative Techniken zu installieren. Ein Umdenken, dass den Gemeinden die Chance bietet, nicht nur uniforme Neubausiedlungen - nach dem Fertighausprinzip - entstehen zu lassen, sondern mündigen Bürgern die Möglichkeit bietet, innovative, anspruchsvolle Häuser zu bewohnen, in denen wiederum mündige Generationen heranwachsen können.

 

Für die Familien, aber auch für die Städte und Gemeinden entstehen so Chancen für die Zukunft. Kreativität wird geboren und kann sich entfalten. Wir bauen heute für die Befürworter nachhaltiger Architektur, für soziokulturelle und wissenschaftliche Vordenker oder auch heranwachsende Mediziner. Geerntet wird nach der Saat - und die gilt es heute auszubringen und zu pflegen.

 

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Heuer-Dialog, 9. September 2010, Hamburg

 

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