Nachhaltigkeit als Wirtschaftsfaktor - Rückblick 15. IIR Immobilienstandort Hamburg 2010
30. April 2010 - Mit gemischten Gefühlen sah man der zweitägigen Konferenz entgegen. Kommt die grosse Depression oder lässt sich die Branche vom frühlingshaften Wetter tragen? Nichts dergleichen geschah. Man traf auf Sachlichkeit und Ratio.
Die Themen der Panels trafen genau ins Schwarze, denn sie sprachen die vielen offenen Fragen an, die Hamburg als gefragter Immobilienstandort in der nächsten Zeit beantworten muss. Welches Hotelangebot braucht die Stadt? Einzelhandel: Shoppingcenter versus Einkaufsstrasse? Die Bedeutung von Nachhaltigkeit für die Immobilienwirtschaft? Der Investmentmarkt Hamburg - Sicherer Hafen in turbulenten Zeiten? Diese und viele weitere spannende Fragen wurden zwischen den Diskutanten (u.a. Kai Hollmann, Gregor Gerlach, Laurenz Lenffer, Lars Sammann, Dr. Bernd Schade, und Dr. Frank Billand) erörtert.
Hamburg sei ein hervorragender Standort, wurde festgestellt. Allerdings müssen etliche Hausaufgaben im Bereich Handel, Shopping, Hotel und Büro erledigt werden. Die HafenCity und einige Prestigeobjekte reichen nicht für eine internationale Metropole! Originelle Immobilienkonzepte, langfristiges Denken und die Konzentration auf den Markttreiber Green Building stehen im Hausaufgabenheft der Branche.
Die Diskussionsrunden zu Shopping und Nachhaltigkeit waren in diesem Zusammenhang besonders vielsagend. Laurenz Lenffer, Geschäftsführender Gesellschafter des Prozellanhauses Lenffer & Sohn KG, sprach sich für eine Belebung der Innenstadt durch einen Mix aus Wohnen, Events und Restaurants aus. So, wie die "Mö" und die umliegenden Strassen jetzt aufgestellt seien, wären sie auf Dauer (erst recht wenn das Überseequartier zu leben beginnt) für den Einzelhandel nicht zukunftsfähig. Mit Blick auf die Maklerseite sagte er, dass auch der Branchemix im Hinblick auf ein zielgruppengerechteres Angebot überprüft werden sollte.
Auch wenn der für Hamburg als baldige "grüne Hauptstadt" so wichtige Aspekt der Nachhaltigkeit etwas zu kurz kam, schrieb Dr. Billand, Geschäftsführer, Union Investment Real Estate GmbH, den Anwesenden etwas in ihr Aufgabenheft. "Ich kann mich an keine Zeit erinnern, wo wir derartig viele Projekte wie heute realisiert haben, bei denen es im Vorfeld noch keine unterzeichneten Miet-
verträge gab. Da müssen wir aufpassen", mahnte er. Auf die Frage nach Investmentmöglichkeiten in nachhaltige Gebäude klagte er: "Gerne würden wir in weitere Green Buildings investieren, besonders natürlich in Core-Lagen. Aber es gibt zur Zeit nichts am Hamburger Markt. Auch hier wünschen wir uns mehr Engagement und Weitblick".
Schauen wir, wer sich an die Aufgabenstellung heranwagt. Im nächsten März findet der 16. Immobilienstandort statt. Dann wissen wir mehr.