klima_stadt_haus - Strategien für eine neue Architektur

BDA und STIEBEL ELTRON als Wegbereiter intelligenter Architektur

 

Text: Dagmar Hotze

 

22. Januar 2010 - Es wächst zusammen, was zusammen gehört - mit diesem Gedanken verließ man das Symposium "klima_stadt_haus - Strategien für eine neue Architektur", welches der Bund Deutscher Architekten (BDA) zusammen mit der Firma STIEBEL ELTRON am 20. Januar 2010 in Hamburg ausrichtete.

 

140 Architekten hatten sich in einem der Konferenzsäle des Empire Riverside Hotels in Hamburg-St.Pauli eingefunden, um von Praktikern und Wissenschaftlern zu erfahren, welche Bedeutung die Architektur zukünftig bei der Beantwortung der Frage nach dem sinnvollen Einsatz und Umgang mit energetischen Ressourcen hat. Zunächst gab Andreas Denk, Chefredakteur von "der architekt", in seiner Einführung einen Kurzabriss über die architekturhistorische, städtebauliche und damit auch gesellschaftliche Relevanz, die Architektur und gleichzeitig ihre Erbauer durch alle Jahrhunderte inne hatte. Schnell wurde klar: "schöner Bauen" als Alleinzweck funktioniert heute nicht (mehr). Der Zwang Energie effektiv einzusetzen, verlangt nach anderen Denk- und Arbeitsweisen als sie bisher praktiziert werden. Aber welche Bemessungs- und Bewertungskriterien können als Guideline für eine zukunftsfähige, neue Architektur dienen?

Tajo Friedemann

"Wir müssen miteinander reden!"


Der international tätige Architekt Halil Dogan stellte eingangs die beiden Zertifizierungssysteme LEED und DGNB aus seiner Sicht vor, worauf anschließend Tajo Friedemann, Real Estate Consultant bei Jones Lang Lasalle, den Fokus auf die immobilienökonomischen Aspekte des nachhaltigen Bauens richtete. Da mussten einige dicke Brocken geschluckt werden. Das Verhältnis Baukosten zu Betriebskosten und Nutz- oder besser Mehrwert einer Immobilie durchläuft einen enormen Wandlungsprozess in der Gewichtung. Die preisbewusste Erstellung eines Gebäudes ist die eine Seite der Medaille, auf der anderen Seite sind die laufenden Unterhaltskosten mit ihren unkalkulierbar steigenden Energiepreisen - und die schlagen den Immobilern gehörig auf den Magen. Green Buildings müssen her und zwar schnellstmöglich. Der Markt verlangt danach, also wo sind sie? Doch nutzerfreundliche, energie- und ressourcenschonende Gebäude schießen nicht wie Pilze aus dem Boden, so wie es die Immobilienbranche vielleicht gewohnt ist bzw. gerne hätte. "Grüne" Immobilien wollen gründlich geplant und - Achtung zeitlicher Ablauf - danach gebaut werden. Um das zu erreichen ist ein Zusammenspiel von Geldgebern, Planern, Technikern und auch Ausführenden von Anbeginn der ersten Planungsphase Voraussetzung. Ein beschleunigter, evolutionärer Prozess kommt in Gang, so bezeichnete Friedemann die aktuellen Vorgänge in der Bau- und Immobilienwirtschaft. Aber wo führt diese Entwicklung hin, wenn doch bekannt ist, dass Evolution auch Verdrängung heißt. Survival of the greenest? Darum sein Appell: "Wir müssen miteinander reden!" 

Prof. Manfred Hegger

"Nachträglich eine Wärmepumpe reinferkeln ist keine gute Idee!"


Dass interdisziplinäre Zusammenarbeit hervorragend funktionieren kann, zeigte Professor Manfred Hegger, zweimaliger Gewinner des Solar Decathlon mit seinen Studententeams der TU Darmstadt, anhand von Beispielen seiner eigenen, langjährigen Arbeiten. Ständige Reflexion über nachhaltiges Bauen hilft dabei, technische und auch ästhetische Entwicklungen in das eigene Schaffen zu integrieren. Die dadurch erzeugten innovativen Impulse lassen moderne Umwelt-, Energie- und Heizsysteme beinahe wie selbstverständlich in die Planung eines zukunftsfähigen Gebäudes mit einfließen. Wie gesagt, beinahe. Sinnvoll ist zu Projektbeginn ein Round Table-Gespräch, bei dem Bauherr, Architekt und die an der energetischen Funktionsweise beteiligten Gewerke gemeinsam ein Konzept erarbeiten. Später eine Wärmepumpe "hineinferkeln" zu wollen, ist der denkbar schlechteste Weg zu einem nachhaltig funktionierenden Gebäude, wie Dr. Kai Schiefelbein, Geschäftsführer Technik von STIEBEL ELTRON, bemerkte. Ansprechende Architektur definiert sich in Zukunft also mithin durch ihre technisch-energetische Qualität, die der Nutzer sinnlich wahrnimmt durch behagliche Wärme und ein angenehmes Raumklima. Ästhetischer und technischer Mehrwert sind für den Nutzer also in Zukunft eins. Dr. Rainer Götzen, vom Ratinger Büro "Creatives Planen", bestärkte die zuhörenden Architekten am Ende des Symposiums Architektur neu zu denken. Er zeigte namhafte Beispiele für eine nachhaltige Stadtentwicklung, wie das Düsseldorfer Stadtviertel "quartier les halles". 

Strategien für eine neue Architektur

Die lebhaft geführte Podiumsdiskussion zwischen den Referenten und dem Publikum machte deutlich, dass alle Beteiligten am Anfang eines Annäherungsprozesses stehen, bei dem das zusammenwächst, was in Zukunft zusammengehört: Architektur und Technik - zum Wohle von Mensch und Umwelt. Bei der anschließenden Besichtigung des in Hamburg gastierenden Plus-Energie-Hauses, konnten sich die Teilnehmer ein praktisches Bild von intelligenter Architektur machen.

 

Es wird spannend sein zu sehen, welche Strategien sich für eine neue Architektur entwickeln werden. Der BDA und STIEBEL ELTRON werden den Prozess sicherlich aufmerksam begleiten.

 

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