10. German Council Congress
Kongresssaal im Hotel Adlon, Berlin | © greenIMMO
Auf dem Weg ins „grüne“ Zeitalter!?
Die genauen Zutaten zum Erfolgsrezept des German Council of Shopping Center (GCSC) wüssten sicherlich viele gerne. Über 400 Teilnehmer zählte der 10. Congress, der am 16. September 2010 im Berliner Nobelhotel Adlon, vis-a-vis des Brandenburger Tors, stattfand. Doch so geheim ist das Rezept eigentlich nicht. Es besteht aus harter Arbeit, viel Energie und einer gehörigen Portion Innovation. Womit wir auch schon beim Motto des diesjährigen Treffens sind: Energie.
Die Immobilien- und Handelsbranche braucht Energie, um Energie zu sparen. Das klingt paradox, ist es aber nicht. Schaut man sich das Arbeitspensum an, wird schnell deutlich, dass enorme Kraft notwendig ist, um die Herausforderungen des beginnenden „grüne Zeitalters“ zu meistern. Das gilt für alle Unternehmensbereiche und auf allen Ebenen. Von der Unternehmensführung über die Umsetzung zeitgemässer Centerkonzepte bis zur effizienten Handelsimmobilie – alles steht auf dem Prüfstand und muss sich am neuen Maßstab Nachhaltigkeit messen lassen.
Zu Beginn begrüsste Wolfgang R. Bays, der Vorstandsvorsitzende des GCSC, die Gäste und übergab, flankiert von den Vorsitzenden Stephan Jung und Rüdiger Pleus, die Ehrenpreise an langjährige Council-Mitglieder. Wie schon im vergangenen Jahr, führte Mrs. Tagesschau, Judith Rakers, mit Verve durch den Tag. Michael Kercheval, amerikanischer Präsident des International Council of Shopping Centers (ICSC), stimmte die Teilnehmer auf den Congress ein, indem er feststellte „that the german modell is good to copy“. Die Wertentwicklung und der Geschäftsverlauf von deutschen Shopping Centern sei im europäischen und amerikanischen Vergleich weniger volatil, was das Vertrauen für weitere Investments stärke. Wenn der Fokus zudem auf ein qualitatives Asset Management gelegt wird, haben deutsche Center hervorragende Entwicklungschancen, ist sich der Amerikaner sicher.
"Wir brauchen Mitarbeiter, die Fragen stellen"
Vom Standpunkt des Investors ist eine geringe Volatilität sicherlich gut, beweglich muss man trotzdem bleiben, vor allem im Kopf. Wie steht es daher um die Beweglichkeit von Führungskräften, den „Leaders“. Haben sie ihren Führungsstil bereits dem „grünen“ Zeitalter angepasst? Partizipation der Mitarbeiter, Produkttransparenz für den Kunden und ökologische Verantwortung, sind diese Ideen schon gedacht und durchdacht? Alexander Otto, Chef der ECE, und Prof. Götz W. Werner, Gründer und Aufsichtsratmitglied von dm-drogerie markt, hatten – erwartungsgemäss - unterschiedliche Ansichten. Der eine kann mittlerweile Delegieren, der andere will die Mitarbeiter für sein Unternehmen begeistern. Der eine glaubt an ein Bonussystem, der andere hält es für kontraproduktiv. Der eine bekam den Award of Excellence (Götz W. Werner), der andere hielt auf ihn die Laudatio (Alexander Otto). Leadership, quo vadis? Auch nach der Diskussion weiss man es nicht. Sicher ist jedoch, dass sich die Führungsrolle in Immobilien- und Handelsunternehmen in einem Prozess der „Revitalisierung“ befindet. Weg von überkommenden (vertikalen) Denkschemata, hin zu offenen Dialogbeziehungen. Anders ist Nachhaltigkeit nicht zu machen.
Shopping Center zwischen Öko-Chicness und Gebäudezertifikat
Wie aber lässt sich Nachhaltigkeit in Shopping Centern umsetzen? Wie gelingt es, Energie zu sparen und den Ressourcenverbrauch zu minimieren? Fragen, die die Branche umtreibt, denn bei mehr als dreissig Prozent der deutschen Konsumtempel ist eine technische und architektonische Generalüberholung dringend notwendig. Bei Neubauten ist die Sache mit der Nachhaltigkeit einfacher, denn Gebäudezertifikate wie LEED oder DGNB sorgen für die Anwendung und Umsetzung entsprechender Kriterien. Das Podium zum Thema war hochkarätig besetzt: Prof. Holger Hagge, Global Head of Building & Workplace Development bei der Deutschen Bank, Rainer Kohns, Head of Sustainability bei Siemens, Prof. Dr. Werner Sobek, Gründungsmitglied der DGNB und Michael Ullmann, Geschäftsführer von Re-sponsibility. Das Für und Wider von zusätzlichen Aufwendungen für Labels wurde abgewogen und technische Aspekte erläutert.
M. Ullmann, W. Sobek, R. Kohns, H. Hagge, J. Rakers (v.l.) | © greenIMMO
Allerdings sei Nachhaltigkeit kein allein technisches Thema, gab Werner Sobek zu bedenken: „Gerade für Ihre Branche bieten sich gute Möglichkeiten, Nachhaltigkeit mit einem modernen Lebensstil zu verbinden. Denken Sie etwa an die aufkommende Öko-Chicness.“ Da fiel das Wort „Birkenstock“, wie hätte es auch anders seien können. „Birkenstock ist längst passé“, klärte Sobek sofort und Michael Ullmann setzte nach: „Sich umweltbewusst zu verhalten ist mittlerweile cool und gehört zum guten Ton. Das Image des Öko-Latschenträgers ist tot, definitiv!“ Ein Aspekt den Sobek nur unterstreichen konnte: „Ich habe letztens eine gesellschaftliche Einladung bekommen, darauf stand „Dresscode Casual, Please no SUV“. Sich ökologisch sinnvoll zu verhalten, ist also gesellschaftsrelevant“. Vehement sprach sich der Münchener Ullmann dafür aus, dass die Shopping Center-Branche Nachhaltigkeit als Gesamtkonzept zu ihrem Vorteil entdecken solle. Nachhaltige Produkte in einem nachhaltigen Umfeld, dahin gehe die Zukunft. Angesichts der enormen Wachstumsrate (mittlerweile geben deutsche Konsumenten dreissig Prozent ihres Einkommens für Bioprodukte aus), kein schlechter Gedanke.
Unkonventionell und cool: Neue Shopformate müssen her
Damit wären wir bei den innovativen Labels und Verkaufskonzepten. Sven Thierhoff, Head of Global Business Development, von National Geografic, sucht Partner in Deutschland für sein multisensorisches und interaktives Shopkonzept, bestehend aus Edutainment, Wissenschaft und Entdeckergeist. Demnächst eröffnet in Berlin Gina Tricot, ein Modelabel auf Skandinavien, das vor allem auf eine neue Kundenansprache setzt und Karl-Heinz Müller, Geschäftsführer von Bread & Butter, ließ die Teilnehmer bestaunen, wie man aus Coolness und Kommerz ein funktionierendes Messekonzept stricken kann, das sich auch in ein Shopping Center-Format giessen llassen würde. Vorausgesetzt,es sei unkonventionell und nicht stinklangweilig, wie so viele Center hierzulande. Außerdem sei Communitybildung ein weiterer wichtiger Aspekt.
Veränderungen durch globale Informationsgesellschaft
Dass das „grüne Zeitalter“ nicht langweilig sein wird, davon überzeugte der „Popstar unter den Professoren“, Dr. Kjell A. Nordström, Wirtschaftsexperte und Dozent an der Stockholm School of Economics, die Zuhörer. Die globale Informationsgesellschaft stelle alles bisher Dagewesene auf den Kopf und in Frage. Wer die richtigen Antworten finden wolle, der solle weniger zurückblicken als vorwärtsschauen. Denn Vergangenes könne man nicht mehr ändern, Kommendes hingegen aktiv gestalten.
Energiegeladen muss man also sein, um im 21. Jahrhundert zu bestehen. Ganz gleich ob als Unternehmer, Shopping Center oder innovativer Brand. Nur wie und wofür die Energie eingesetzt wird, das ist die spannende Frage. Und die wird alle Congress-Teilnehmer noch lange beschäftigen.










