Albert Speer & Partner.
Ein Manifest für nachhaltige Stadtplanung: Think Global, Act Local
Jeremy Gaines und Stefen Jäger (Autoren)
Geb., 224 Seiten, zahlr. Abb. und Fotos
ISBN 978-3791342061, € 29,95
Prestel Verlag, sofort lieferbar
Text: Dagmar Hotze
Die meisten Menschen werden im 21. Jahrhundert in Städten leben. In Megacities, die von 10 bis 20 Millionen Menschen bevölkert sein werden. In manchen Regionen der Welt, wie in Afrika, Asien und Lateinamerika werden es auch mehr sein. Angesichts der mangelhaften Infrastruktur, die bereits heutige Städte aufweisen, ein unvorstellbares Szenario. Nicht alleine die Anpassung der Infrastruktur stellt die Verantwortlichen vor enorme Herausforderungen, gerade der Klimawandel und die schwindenden Energie- und Wasserressourcen erfordern ein radikales Umdenken. Wie kann also eine Stadtplanung ausssehen, die Mensch und Natur verträglich zueinander bringt? Geht das überhaupt?
Der Stadtplaner Albert Speer hat sich schon frühzeitig Gedanken darüber gemacht. Bereits 1992 schrieb er seine Überlegungen zu einer "intelligenten Stadt" in einem höchst aktuellen Buch nieder. Durch die damaligen gesellschaftlichen und politischen Ereignisse (Nachwehen der deutschen Wiedervereinigung, wirtschaftliche Zusammenführung beider Staaten), sind die konstruktiven, weitsichtigen Denkansätze dieses Buches unbeachtet geblieben. Schon vor 18 Jahren entwickelte Speer Strategien, die heute als "nachhaltige Stadtentwicklung" allerorts postuliert werden. Um so mehr ist es an der Zeit, das vor einigen Monaten von Jeremy Gaines und Stefan Jäger veröffentlichte Buch über Speer, sein Büro und seine Projekte in aller Welt aufmerksam zu lesen.
Erstaunlich ist, wie unvoreingenommen der mittlerweile 75jährige Stadtplaner Ressourcenschutz, anspruchsvolle Architekturkonzepte und neue Technologien miteinander verknüpft. Für ihn gibt es keine Tabus, nur Lösungen. Jede Stadt, ganz gleich ob Köln oder in Afrika, braucht ihre individuelle Lösung. Aber immer auf der Basis von Umweltschutz, Humanität und modernem Wissen. Speers Arbeitsweise unterscheidet sich deutlich von hierarisch organisierten Unternehmen seiner Zunft. Oft überläßt er es seinem interdisziplinär besetzten Mitarbeiterstab, eigenverantwortlich zu entscheiden. Unkritische Mitarbeiter, die dem "Baumeister" nach dem Mund reden, mag er überhaupt nicht. Sätze wie "Das haben wir schon immer so gemacht", wird man hier kaum hören. Kreativität, Weitsicht und ein hohes Maß an fachlicher Kompetenz sind die Voraussetzung dafür, komplexe Prozesse gedanklich nachzuvollziehen. So erteilt uns Speer gleich zwei Lektion: Die Entwicklung nachhaltig wirksamer (Stadt-)Konzepte ist auch und vor allem abhängig von der Umgebung, in der sie entstehen. Und, nur eine pluralistisch denkende und auf ein Gemeinwesen ausgerichtete Gesellschaft wird in der Lage sein, zukunftsfähige Städte zu bauen. Wir stehen also erst am Anfang einer radikalen Erneuerung unserer Städte - und unseres Denkens.
Ein aufschlussreiches Video-Interview, geführt vom Hessischen Rundfunk und ein Beitrag im ARD-Magazin Titel, Thesen, Temperamente runden die Infos ab.