ICME Management Consultants
Immobilienthemen 2011: Kosten, Effizien und Transparenz
27. Januar 2011 - Wie war 2010? Wie wird 2011 für den Immobilienmarkt und die Wirtschaft? Drei Experten der international agierenden Beratungsagentur ICME geben Auskunft: Christoph Zimmer, Facility Management (FM), Arnd Reifenrath, Corporate Real Estate Management (CREM) und Marc Blahusch, Real Estate Investment Management (REIM).
Herr Zimmer, Herr Reifenrath, Herr Blahusch, Meldungen über den Wirtschaftsaufschwung haben vor allem die zweite Jahreshälfte von 2010 bestimmt. Haben Sie diesen in den Unternehmen auch gespürt?
Zimmer: Auf jeden Fall. Unsere Kunden kamen gestärkt aus der Finanzkrise hervor. Dennoch stehen weiterhin die Themen Kosten, Effizienz und Transparenz im Zentrum.
Reifenrath: Im Corporate Real Estate Management wurde deutlich, dass durch den Aufschwung die in 2009 erzielten Kosten- und Effizienzverbesserungen angeschlagen haben. Nicht mehr die reine Fokussierung auf Kosten, sondern die verbesserte Leistungserbringung für den Nutzer stand 2010 im Vordergrund. Jedoch waren die Unternehmen noch zurückhaltend, nachhaltige Potenziale wegen der hohen Anlaufkosten umzusetzen. Somit ist der Wirtschaftsaufschwung 2010 noch nicht in Gänze im CREM angekommen.
Blahusch: Auch im Real Estate Investment Management waren die positiven Auswirkungen zu spüren. Sie wurden durch gestiegene Investments von Institutionellen Kunden (Unternehmen der verschiedenen Branchen inklusive Pensionskassen, Versicherungen etc.) bei gut aufgestellten Real Estate Investment Managern bestätigt.
Christoph Zimmer, Facility Management (FM)| Bild: ICME
Welche Themen und Ereignisse standen für Sie darüber hinaus 2010 im Fokus?
Zimmer: Wir haben konsequent unseren eingeschlagenen Weg der Internationalisierung weiterverfolgt. Seit drei Jahren ist ICME mit einer eigenen Tochtergesellschaft in Abu Dhabi vertreten und steuert von dort aus die Beratungsmandate in den sogenannten GCC-Ländern, also den Mitgliedern des Golf-Kooperationsrates. Weitere Büros in Saudi Arabien und Osteuropa sind in Planung. Den Schritt zur Internationalisierung haben wir auch bei unseren Kunden 2010 beobachtet: Corporates gehen zunehmend ihre auf nationaler Ebene erfolgreich umgesetzten Projekte und Themen nun auch im Ausland an.
Reifenrath: ICME konnte im Corporate Real Estate Management die positive Entwicklung der vergangenen Jahre fortsetzen: Wir haben neue Kunden hinzugewonnen und bestehende Projekte ausgeweitet. Die Anzahl der CREM-Kunden beziehungsweise Projekte konnte gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent gesteigert werden. Zudem haben wir unsere Aktivitäten in den Ländern Mittel- und Osteuropas durch ein Büro in Wien intensiviert.
Darüber hinaus hat ICME 2010 eine Vielzahl internationaler Projekte durchgeführt, mit dem Ziel, CREM in den Unternehmen als lernende und vernetzte Organisationsstruktur im Sinne eines Know-how-Centers zu implementieren.
Blahusch: Thematisch hat sich der REIM-Bereich deutlich weiterentwickelt. So spielen Fragen zum Kostenmanagement und hier insbesondere zur Ressourcenoptimierung eine große Rolle, ebenso zum Fondsmanagement rund um den Punkt Budgetoptimierung. Auch stand der institutionelle Vertrieb im Fokus. Dabei geht es um die Frage, wie sich die Anforderungen an Real Estate Investment Manager entwickeln. Auch die Nachhaltigkeit wird immer mehr zu einem Thema, von der strategischen Ebene bis zur operativen Umsetzung auf Produktebene. Für ICME ist natürlich unsere REIM-Studie 2010 von Bedeutung. Sie beschäftigt sich mit Strategie-, Produkt- und Managementtrends im deutschsprachigen Real Estate Investment Management-Markt.
Arnd Reifenrath, Corporate Real Estate Management (CREM) | Bild: ICME
Gibt es eine Neuheit in der Beratung bei ICME?
Zimmer: Ja, beispielsweise der Beratungsansatz „Owner Representative“. Hier begleitet ICME Kunden beispielsweise bei der Erstellung von neuen Facilities. Das geht von der Ausarbeitung des Betriebskonzepts über die Planung bis hin zur Ausschreibung und Steuerung des Gesamtvorhabens. ICME tritt dabei als Eigentümer- beziehungsweise Nutzerverteter auf und steuert alle nachgelagerten Prozesse und Beteiligten aus einer Hand.
Wie positioniert sich ICME grundsätzlich innerhalb der Mitbewerber?
Zimmer: Ein Alleinstellungsmerkmal ist, dass ICME besonders auf neuen Wachstumsmärkten als umsetzungsorientierter Problemlöser auftritt. Das schaffen wir mit fokussiertem Beratungs- und Industrie-Know-how und internationaler Präsenz. Ein Netzwerk an strategischen und lokal verankerten Partnern sichert die professionelle Umsetzung der Beratungsmandate vor Ort.
Blahusch: Die besondere Kombination aus Top Management-Beratung und REIM-Know-how schafft die Möglichkeit, für unsere Kunden branchenbezogene und individuelle „State oft the Art“-Lösungen zu erarbeiten – bei der strategischen und der operativen Umsetzung.
Reifenrath: Wir haben uns als führende Beratung bei internationalen Projekten und der Verknüpfung von strategischen Fragestellungen und operativer Umsetzung positioniert. Gerade in Verbindung mit der Wirtschaftskrise haben wir unsere Kompetenz bewiesen. CREM hat sich nach dem schwierigen Jahr 2009 mit starken Kosteneinschnitten und Effizienzsteigerungen auf der Prozessebene verstärkt und effektiv in die Firmenstrukturen eingebracht.
(v.l.) Christoph Zimmer, Ralph Siebald (Partner ICME) | Bild: ICME
Auf welche Themen wird sich ICME 2011 konzentrieren?
Zimmer: Kurz und knapp: Den Ausbau der internationalen Präsenz.
Blahusch: Im Bereich REIM konzentrieren wir uns weiter auf die Unterstützung der Manager hin zur „Best Practice“-Management-organisation. Themen wie Funktionstrennung, performanceorientierte Fondsmanagementstrukturen, Risikomanagement und Nachhaltigkeit stehen im Fokus.
Reifenrath: Auch bei CREM ist der Ausbau der internationalen Präsenz eines der großen Themen. Hierbei stellen sich den Beratern der ICME folgende entscheidende Fragen, zum Beispiel, wie eine einfache und automatisierte Steuerung der Immobilie global gewährleistet und wie exzellentes Know-how an jedem Standort sichergestellt werden kann, ohne aber dafür organisatorische Strukturen und Kapazitäten aufbauen zu müssen. Im deutschen Markt wird es 2011 darum gehen, wie sich etablierte CREM-Einheiten effizient gegenüber dem internen Kunden aufstellen können.
Ließen sich 2010 Entwicklungen erkennen, die sich 2011 konkretisieren werden?
Blahusch: Eine Studie zu Trends im REIM 2011 zeigt eher gedämpfte Wachstumsaussichten im Retailgeschäft und höchstes Wachstumspotenzial im Institutionellen Geschäft. Ein weiterer Trend war die Bedeutung der Nachhaltigkeit für das Produktangebot und Management eines Investment Managers. Das wird sich 2011 fortsetzen.
Reifenrath: Im CREM konnte kein rein vom Immobilienmarkt getriebener Trend identifiziert werden. Jedoch wurde deutlich, dass finanzwirtschaftliche Produkte mit eher kurzfristigem Wirkungsgrad wie Sale & Lease Back-Transaktionen an Bedeutung verloren haben. Dieser Trend wird sich auch in 2011 weiter manifestieren. ICME geht davon aus, dass Unternehmen die Immobilie wieder verstärkt als eine professionell zu managende Asset-Klasse verstehen, die sie im Eigentum behalten, solange diese Immobilie langfristig genutzt werden. Wir gehen daher nicht von einer nennenswerten Reduzierung der Immobilieneigentumsquote deutscher Unternehmen aus.
ICME Gebäude, München | Bild: ICME
Können Sie Prognosen für 2011 hinsichtlich der Entwicklung Ihrer Bereiche geben?
Blahusch: Im REIM wird entscheidend sein, dass die Investment Manager die Anforderungen der Institutionellen Kunden auf Produkt- und Managementebene verstanden haben und deren Ansprüche professionell erfüllen. Nur dann werden sie von den Wachstumsraten an Kundengeldern Institutioneller Investoren profitieren.
Reifenrath: CREM wird verstärkt in die gesamte Steuerung der Unternehmen einbezogen werden und somit ihre heutige Sonderstellung verlieren. In einigen Unternehmen werden die Kompetenzen durch Einkauf, Kerngeschäft, Finanzen oder Supply-Chain-Management-Einheiten verstärkt übernommen. ICME sieht diesen Trend aufgrund der gegebenen Komplexitäten des Immobilienmanagements äußerst kritisch.
Zimmer: FM-Beratungsmandate werden weiterhin sehr kosten- und technikgetrieben vergeben. Strategien, die auf einem standardisierten Ansatz mit länderspezifischen Anpassungen basieren, rücken zunehmend in den Fokus, da hier im Vergleich zu Neuvergaben oder Dienstleisterbündelungen wesentlich höhere Potenziale gesehen werden. Da die Themen international angegangen werden, ist zu beachten, dass es zunehmend zu einer Zentralisierung kommen wird und lokale FM-Einheiten in eine übergeordnete Organisation integriert werden. Weitreichendes Outsourcing gehört weiterhin nicht zu den favorisierten Ansätzen der Unternehmen.










