Wie zukunftsfähig sind wir?
Wo bleibt der Mut, neue Wege zu gehen?
Text: Dagmar Hotze, Fotos: greenIMMO
4. November 2011 - Die Preisrede von Sina Trinkwalder, die heute als "Social Entrepreneur der Nachhaltigkeit" vom Rat für Nachhaltige Entwicklung geehrt wird, bringt es auf den Punkt: „Dieser gefährliche Stillstand der Weltverbessererwirtschaft verhindert eine kritische und visionäre Auseinandersetzung mit einer zukunftsoffenen und sinnvollen Wertschöpfung“. Ihre darin aufgeführten neun Thesen beschreiben prägnent mögliche Lösungen für eine nachhaltig funktionierende Wirtschaft, Gesellschaft und auch Politik.
Nicht, dass sie aufgeweckten Zeitgenossen damit etwas Neues erzählen würde. Vieles ist bekannt, manche Lösungen sind bereits angedacht, einige befinden sich sogar in der Umsetzung. Doch schlussendlich führt sie uns vor, wie vieles im Gestrüpp ineffizenter Strukturen stecken bleibt, mangels koordinierten Handelns zur bloßen Theorie verkommt oder einfach unbequem ist zu denken. Viel einfacher ist es, so zu tun, als sei man auf dem „grünen“ - guten -Weg: Mit Schlagworten wie „Bio“ und „Öko“ verkauft sich jeder Artikel; mit einem der zahlreichen grünen Siegel läuft's noch besser. Das gilt für Lebensmittel, Textilien und andere Konsumgüter. Ein Strukturwandel, durch den die Wirtschaft wettbewerbsfähig bleibt, die Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe verbessert werden und demokratische Prozesse weiterhin bestand haben, wird dadurch nicht erreicht.
Wohnungsnot führt zunehmend zu Bürgerprotesten, wie hier im Hamburger Gängeviertel | © greenIMMO
Überkommene Denkmuster aufgeben
Doch verstecken wir uns nicht hinter dem abstrakten Wort „Nachhaltigkeit“, sondern führen wir es auf eine konrekte Ebene. Stellen wir uns die Frage, wie wir zukunftsfähig bleiben/werden? Unsere Wirtschaft, unsere Städte, unsere Energieversorgung, unser Bildungssystem, unsere Gesundheitssystem … Haben wir in den vergangenenen Jahrzehnten weitblickend in unsere Strukturen investiert, damit sie den kommenden Herausforderungen stand halten werden? Darauf wagt niemand, eine Antwort zu geben. Zu komplex scheinen die Prozesse, zu immens die Probleme. Also überlassen wir es lieber doch der Politik. Wie früher. Die machen das schon.Falsch gedacht! Die Politik – und diesen Zahn zieht Sina Trinkwalder dem Leser Gottlob! - wird wenig nützlich sein. Worauf es ankommt, ist der Mut jedes Einzelnen, alte Denkmuster zu überkommen. So unbequeme die Dinge auch sein mögen - finden wir heute keine Lösungen, ergeben sich daraus morgen unabänderliche Fakten, – die nicht zu unserem Vorteil sein werden. Dann bestimmen andere, welche Musik gespielt wird.
Wie nachhaltig gelungen die Entwicklung der HafenCity Hamburg ist, wird sich in den kommenden Jahrzehnten zeigen | © greenIMMO
Was also tun? Worin investieren, damit wir handlungsfähig bleiben? Der wahrscheinlich erste und wichtigste Schritt ist, sich über berufliche Fachgrenzen, soziale Milieus, räumliche Distanz und politische Richtungen hinwegzusetzen und längst überkommene Denkbarrieren abzubauen. Daraus entstehen Diskurse, Ideen, Zusammenarbeit, Austausch, Transparenz, Konstruktives. Das könnte uns weiterhelfen. Wir haben viel zu lange, jeder für sich, vor uns hingewerkelt. Es wurde nicht in Mehrwert erzeugende Kreisläufe investiert, sondern jeder verfolgte sein kurzfristig gestecktes Ziel. Der Blick auf ein ausgeglichenes Ganzes ist uns schon lange abhanden gekommen. Alles Stückwerk, ein Flickenteppich, alles nach dem Gießkannenprinzip!
Wo fangen wir an? Vielleicht beginnen wir bei unseren Städten. Dort, wo wir wohnen, wo wir arbeiten, leben, unsere Freizeit verbringen. Nehmen wir unsere Gebäude, die Immobilien. In denen wir die meiste Zeit unseres Lebens verbringen. Die einen Sachwert darstellen, real sind. Sind sie nicht zukunftsfähig, wird es vieles andere auch nicht sein.
Wer hat Ideen, wie aus zukunftsfähigen Gebäuden die Stadt von morgen entsteht?










