Flughäfen
Flughafengebäude: Energie und Emissionen einsparen
Autoren: Dr. Gerd Streubel, Thomas Claßen, TÜV SÜD Industrie Service
15. Februar 2012 - Der Ausbau von Flughäfen ist eine direkte Folge der zunehmenden Mobilität einer modernen Gesellschaft. Im Zuge des Wettbewerbs müssen internationale Flughäfen ihre Kapazitäten kontinuierlich ausbauen und sich über besondere Leistungsmerkmale von der Konkurrenz abheben. Dazu gehört heute auch eine gute Öko- und Klimabilanz. Damit stehen die Flughafenbetreiber vor der Aufgabe, ihre Gebäude, ihre technischen Anlagen aber auch die gesamte Logistik auf ihre Treibhausgas-Emissionen hin zu prüfen.
Vor diesem Hintergrund wurde die TÜV SÜD Industrie Service GmbH mit ihrem Kompetenzzentrum Energieeffizienz vom Betreiber eines internationalen Luftfahrt-Drehkreuzes in Deutschland eingebunden. Zentraler Punkt war die Analyse der vorhandenen Einsparpotenziale beim Strom-, Wärme- und Kältebedarf. Zu diesem Zweck rücken bei komplexen Sonderbauten wie Flughäfen insbesondere die zahlreichen gebäudetechnischen Anlagen in den Blick, die in einem Systemverbund betrieben werden. Die Experten haben die elektrischen Versorgungsanlagen, die raumlufttechnischen Anlagen (RLT), die Beleuchtung, Fahrstiege, -treppen sowie die Aufzüge betrachtet. Darunter fällt auch die zentrale Kraft-Wärme-Kälte-Kopplungsanlage (KWKK). Weitere Aspekte waren Optimierungen bei der Gebäudehülle und der Beschattung.
Energetische und wirtschaftliche Kennzahlen wurden zunächst in einer Grobanalyse ermittelt. In der anschließenden Feinanalyse wurden unter anderem Maßnahmen sowohl auf ihre Wirtschaftlichkeit als auch auf gesetzliche Fördermöglichkeiten hin geprüft. Die Einsparpotenziale der energetischen Optimierungen wurden quantifiziert und bildeten so die Basis einer technischen wie betriebswirtschaftlichen Energieanalyse. Auf dieser Grundlage konnten dann die CO2-Einsparpotenziale identifiziert werden.
Fallbeispiel aus Italien
Ein weiteres Beispiel liefert ein internationaler Flughafen in Italien. Dieser hat seine Klimaschutz-Anstrengungen von TÜV SÜD im Rahmen der „Airport Carbon Accreditation“ bestätigen lassen. Der europäische Standard bewertet Flughäfen nach ihren Treibhausgasemissionen und zeigt Maßnahmen zu deren Reduzierung mit dem Ziel der Klimaneutralität auf. Die Ingenieure beraten die Betreiber bei der Verifizierung der CO2-Bilanz, dem so genannten Carbon Footprint. Bei der Bewertung wurden direkte und indirekte Emissionsarten betrachtet und in einem mehrstufigen Modell abgebildet. Neben den direkten Emissionen, wie flughafeneigene Anlagen zur Strom- und Wärmeerzeugung, werden auch indirekte Emissionen erfasst, die durch die Abfertigung, den Betrieb der Flughafenanlagen und die Infrastruktur entstehen. Die unabhängige Bestätigung der CO2-Bilanz durch die Experten von TÜV SÜD macht nun die mit dem Flughafenbetrieb verbundenen Emissionen transparent und dokumentiert das Klimaschutz-Engagement des Betreibers nach außen.
Das Zertifizierungsverfahren schließt gründliche Vor-Ort-Begehungen ein und berücksichtigt:
- Die Emissionen der verwendeten Energieformen und Energieträger
- Angaben zum tatsächlichen Bedarf an Wärme, Kälte und Strom
- Angaben zu bereits vorgenommenen Optimierungen
- Anlagenkennwerte
- Die EDV sowie technische Dokumentationen
Schon erste, einfache Maßnahmen können helfen, den Energiebedarf und somit Kosten und Emissionen zu senken. Dazu zählt beispielsweise die bedarfsgerechte Regelung der raumlufttechnischen Anlagen. Die aktuelle Studie eines Fachverbands zeigt: Von den untersuchten RLT-Anlagen waren die Luftvolumenströme bei 43 Prozent überdimensioniert.
Expertenschätzungen gehen davon aus, dass sich durch hocheffiziente Ventilatoren und Wärmerückgewinnung bei den RLT-Anlagen deutschlandweit rund 3,5 Terrawattstunden Strom und 15 Terrawattstuden Heizenergie sparen ließen. Aber auch präsenzgesteuerte Anzeige- und Werbetafeln, die nur bei Publikumsverkehr aktiviert werden, bringen wichtige Einsparpotenziale. Doch auch hier ist zu beachten, dass die zahlreichen gebäudetechnischen Anlagen im Systemverbund betrieben werden, sodass die übergreifende Perspektive entscheidend ist.
Die Vorteile freiwilliger CO2-Reduktion liegen auf der Hand: transparente Kosten- und Emissionseinsparungen, aktiv gesteuerte Risiken und angestoßene Optimierungsprozesse. Zudem besteht ein Imagegewinn, der im Wettbewerb um Fluggäste vor allem für internationale Flughäfen wichtig ist.
Die Autoren:
Thomas Claßen, ist Projektleiter Carbon Footprint und Klimaneutralität bei TÜV SÜD Industrie Service, München
Dr. Gerd Streubel, Zentralabteilungsleiter Anlagentechnik, TÜV SÜD Industrie Service, Region Nordost
Kontakt:
TÜV SÜD Industrie Service GmbH
Carbon Management Service
Westendstr. 199
80686 München
Tel. 089 5791-1554
E-Mail: thomas.classen@tuev-sued.de
TÜV SÜD Industrie Service GmbH
Drescherhäuser 5d
01159 Dresden
Tel. 0351 4202-0
energieeffizienz@tuev-sued.de





