Zukunftsfähige Wohnimmobilien
Großer Beratungsbedarf bei älteren Immobilieneigentümern
16. April 2013 - Noch ist die demografische Entwicklung ein abstraktes, gesellschaftliches Phänomen, dessen Auswirkungen auf die Immobilienwirtschaft erst langsam erkannt werden. Barrierefreies Bauen, Wohnkomfort durch technische Assistenzsysteme, Wohnen mit Service - viele Lösungen befinden sich im Erprobungsstadium,
beständige Strukturen für eine altersunabhängige Gesellschaft zu schaffen, wird Jahre dauern.
Sehr konkret wird hingegen das eigene Älterwerden in der eigenen Immobilie erlebt. Was tun, wenn Treppenstufen den Weg zum Hauseingang erschweren? Was ist, wenn das Treppensteigen in die obere Etage, wo Bade- und Schlafzimmer sind, zur Mühsal geworden ist? Was machen, wenn der früher geliebte Küchenkomfort dahin ist, weil langes Stehen, Bücken, schweres Heben und Strecken zu anstrengend geworden sind? Ist die liebgewonnene und über Jahrzehnte abbezahlte Immobilie vielleicht bald nicht mehr das geborgene Zuhause, sondern stattdessen ein "Heim" - eine Horrorvorstellung für sehr viele Menschen.
Eine auf die Wünsche von älteren Eigentümern spezialisierte Immobilienberatung kann helfen, frühzeitig die richtigen Entscheidungen zu treffen, um das "worst case scenario" abzuwenden. Thorsten Hausmann, Geschäftsführer des bundesweit tätigen Immobilienunternehmens Hausmann Immobilien, hat dies erkannt und bietet zunächst in der Metropolregion Hamburg entsprechende Beratungsservices an. Und der Erfolg gibt ihm recht: Seine themenspezifisch konzipierte Veranstaltungsreihe "Was mache ich mit meiner Immobilien im Alter?" ist regelmässig ausgebucht.
Weitblickende Planung ist also nicht nur beim Neubau gefragt - nach 30 - 40 Jahren muss die Immobilie "neugeplant" werden.
Eine auf die Wünsche von älteren Eigentümern spezialisierte Immobilienberatung kann helfen, frühzeitig die richtigen Entscheidungen zu treffen, um das "worst case scenario" abzuwenden. Thorsten Hausmann, Geschäftsführer des bundesweit tätigen Immobilienunternehmens Hausmann Immobilien, hat dies erkannt und bietet zunächst in der Metropolregion Hamburg entsprechende Beratungsservices an. Und der Erfolg gibt ihm recht: Seine themenspezifisch konzipierte Veranstaltungsreihe "Was mache ich mit meiner Immobilien im Alter?" ist regelmässig ausgebucht.
Weitblickende Planung ist also nicht nur beim Neubau gefragt - nach 30 - 40 Jahren muss die Immobilie "neugeplant" werden.
Jeder Vierte findet Serviceleistungen im Wohnumfeld wichtig
Wohnqualität heißt Lebensqualität: Mehr als ein Viertel der Bundesbürger legt in seinem Wohnumfeld besonderen Wert auf Serviceangebote wie etwa einen Hausmeisterdienst oder eine Einkaufshilfe. Das geht aus einer Untersuchung von TNS Infratest unter anderem im Auftrag der LBS hervor.
17. Januar 2013 - Hoher Komfort innerhalb und eine gute Infrastruktur im Umfeld der eigenen Wohnung nehmen an Bedeutung zu. Laut TNS Infratest finden 27 Prozent der Bundesbürger Serviceleistungen rund um die Immobilie wichtig – Frauen noch etwas mehr als Männer. Gefragt sind besonders Angebote, die den Wohnalltag erleichtern, wie etwa ein Einkaufs- oder Hausmeisterdienst, eine Haushaltshilfe oder eine Sozialstation. Aber auch auf bauliche Erleichterungen wie barrierefreie Zugänge, Aufzüge und automatische Türöffner wird heute viel Wert gelegt. “Die Bundesbürger leben immer länger – und das am liebsten möglichst komfortabel in den eigenen vier Wänden. Serviceleistungen gewinnen dadurch an Attraktivität”, sagt Gregor Schneider von der LBS.
Das Bundesbauministerium hat ermittelt, dass aktuell 93 Prozent der über 65-Jährigen in “normalen” Wohnungen leben. “Wer sein Zuhause altersgerecht modernisiert, schafft die Voraussetzungen, so lange wie möglich selbstbestimmt darin wohnen zu können. Darüber hinaus erhöhen die Maßnahmen den Wohnkomfort und tragen zum Werterhalt der Immobilie bei”, so Schneider.
Um eine “normale” Wohnung inklusive Eingangsbereich schwellenfrei zu gestalten, fallen durchschnittlich Kosten von etwa 20.000 Euro an. Die Bereitschaft, aktiv zu werden, ist bei vielen Hauseigentümern vorhanden: Laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung legen Modernisierer, die ihre Immobilie fit fürs Alter machen wollen, im Schnitt 330 Euro pro Monat zurück. Gute Nachrichten kommen zudem aus der Politik: Ein aktueller Gesetzesentwurf sieht vor, dass die Wohn-Riester-Förderung künftig unter bestimmten Voraussetzungen auch für die Finanzierung altersgerechter Umbaumaßnahmen genutzt werden kann.
Wohnen ohne Hindernisse
Komfortables Wohnen im Alter setzt voraus, dass die eigene Immobilie ein hohes Maß an Bewegungsfreiheit ermöglicht. Worauf Modernisierer bei der Planung und Durchführung achten sollten:
So machen Sie Ihre Immobilie fit fürs Alter
Barrierefreiheit fängt an der Eingangstür an: Aktuell müssen rund drei Viertel aller Seniorenhaushalte Treppenstufen zu ihrem Haus überwinden, etwa die Hälfte muss zusätzlich Stufen zur Wohnung bewältigen. Ein barrierefreier Zugang erleichtert den Alltag, alternativ bieten sich technische Hilfsmittel wie eine Rampe oder ein Aufzug an. Auch innerhalb der Wohnung und am Übergang zu Balkon oder Terrasse schränken Stufen und Schwellen die Mobilität oft unnötig ein. Die Türen, vor allem zum Bad, sollten breiter als üblich sein. Im Sanitärbereich sorgen ausreichend große Bewegungsflächen sowie eine bodengleiche Dusche für eine höhere Wohnqualität.
Das kosten die Maßnahmen
Laut Bundesbauministerium fallen für die Beseitigung von Barrieren im Innenbereich der Wohnung durchschnittliche Kosten in Höhe von 12.900 Euro je Wohneinheit an. Die Verbesserung der Zugänge zur Immobilie schlägt mit rund 6.300 Euro zu Buche, eine barrierefreie Umgestaltung des Sanitärbereichs mit 7.000 bis 13.000 Euro. Für den Einbau eines Treppenlifts in einer dreigeschossigen Immobilie sollten etwa 10.000 Euro eingeplant werden.
Darauf sollten Sie noch achten
Die Qualität altersgerechten Wohnens bemisst sich nicht allein nach den baulichen Voraussetzungen und Veränderungsmöglichkeiten der Immobilie. Fast genauso wichtig sind die Gestaltung des Wohnumfeldes, eine gute Infrastruktur sowie die Möglichkeit, bei Bedarf auf soziale und unterstützende Angebote zurückgreifen zu können. Deshalb sollte schon bei der Wahl des Wohnortes darauf geachtet werden, dass Versorgungseinrichtungen wie Arztpraxen und Apotheken, aber auch Einkaufsmöglichkeiten sowie Bus- und Bahnstationen gut zu erreichen sind. Serviceangebote wie ein Hausmeisterdienst verbessern zudem den Wohnalltag, während soziale Einrichtungen die Einbindung ins Wohnumfeld erleichtern oder für Hilfe bei Pflegebedarf sorgen.
Tipp: Finanzieren ohne Hindernisse
Ob Barrierefreiheit, energetische Sanierung oder Modernisierung – Investitionen in die eigenen vier Wände lohnen sich. Im Vorteil ist, wer frühzeitig finanzielle Rücklagen bildet, etwa mit einem Bausparvertrag. Der ist laut “Finanztest” (12/11) für Modernisierungen “ideal”, denn die Sparer sichern sich damit für die gesamte Vertragslaufzeit einen günstigen Zinssatz für die Finanzierung. Die Konditionen sind unabhängig von der Höhe der Bausparsumme innerhalb eines Tarifes einheitlich und Sondertilgungen jederzeit möglich. Gleichzeitig verzichten viele Bausparkassen bei Darlehen bis 30.000 Euro auf eine Grundschuld – das spart Notar- und Grundbuchgebühren.
Die Zahl zum Thema: 69
Die große Mehrheit der Bundesbürger (69 Prozent) hält Haus- und Grundbesitz für die beste Form der Geldanlage. Das zeigt der Trendindikator von TNS Infratest. Dabei liegt der Wert bei den 14- bis 29-Jährigen mit 65 Prozent leicht unter, bei den über 50-Jährigen mit 72 Prozent dagegen leicht über dem Durchschnitt. Während 59 Prozent der Mieter Immobilien und Grundstücke als Top- Investment ansehen, sind es bei den Eigentümern sogar 81 Prozent.
Architekturpreis "Zukunft Wohnen 2012" prämiert Berliner Budget-Wohnprojekt
Ein Penthouse aus Gewächshauselementen, Recycling und Selbstbauweise als radikales Gegenmodell zum heutigen Wohnverständnis
16. November 2012 - Bezahlbaren und gleichzeitig zukunftsfähigen Wohnraum in Großstädten zu schaffen, ist eine der Herausforderungen für Architekten und die Immobilienwirtschaft in den kommenden Jahren. Der diesjährige Architekturpreis "Zukunft Wohnen" reagiert auf diese Problemstellung und vergibt den Preis in der Kategorie "Wohnen mit geringem Budget" an Christopf Mayer, Büro für Architektur und Städtebau, und sein Penthouse auf dem Dach einer gründerzeitlichen Industriebauarchitektur im Berliner Wedding.
Die Realisierung setzt auf die Umnutzung von standardisiert verfügbaren Elementen wie sie für Gewächshäuser verwendet werden, Recycling und Selbstbau. Gleichzeitig beschreitet das Projekt experimentelle Wege und hinterfragt als selbstverständlich angenommene Parameter heutigen Wohnens.
Low- und No-Tech für ein Wohnen jenseits der 20 Grad
Das Budget-Wohnprojekt kehrt die Idee, dass sich ein Gebäude dem Nutzer anpassen muss, um. Es ist so konzipiert, dass die Nutzer sich den Jahreszeiten anpassen müssen und entsprechend mehr oder weniger Fläche zur Verfügung haben. Es gibt unterschiedliche Klimazonen innerhalb des Hauses, die mit einfachen Mitteln reguliert werden können: durch seine transparente und transluzente Hülle wird das Haus durch die Sonne passiv geheizt. Für den sommerlichen Wärmeschutz gibt es auf der Innenseite des Gewächshauses eine weitere Schicht aus Vorhängen und Deckensegeln aus einem speziellen Gewebe, dass die Wärmestrahlung reflektiert. Teil des Systems sind auch Schiebetore, die es ermöglichen, die Fassade zu öffnen und Lüftungsklappen im Dach, die im Sommer für eine gute Ventilation sorgen.
Das gewählte Gewächshaus besteht aus einer verzinkten Stahlkonstruktion aus 75/45 Rechteckhohlprofilen. Die Dachkonstruktion ist als unterspannter Bogenträger ausgeführt. Das System besteht aus verschiedenen Modulgrößen, die untereinander kombiniert werden
können. Für die Fassade werden als Standard 10mm Doppelstegplatten
aus Polycarbonat verwendet, für das Dach entweder Platten aus Wellpolycarbonat oder eine zweilagige Folie, die pneumatisch unterstützt wird. Bei der Umsetzung erwies sich die Verwendung eines standardisierten Baukastens als durchaus flexibel, um auf die gegebenen Voraussetzungen reagieren zu können. Für die Anbindung an die Betonbalken wurden mit Schraubplatten hergestellt, punktuell
musste die Struktur verstärkt werden, was wir durch das Einschieben von kleineren Profi len in die gelieferten Stützen lösen konnten.
Wohnen muss neu gedacht werden
Das Projekt für ein Penthouse in Berlin versteht sich als radikales Gegenmodell zum heutigen Verständnis von Wohnen. Die Jury begründet ihre Entscheidung für das Projekt deshalb wie folgt: Als Minimalprojekt konzipiert, setzt es die Wohnvorstellungen seiner Nutzer in experimenteller Weise um. Dabei werden nahezu alle gängigen Vorstellungen vom Wohnen und den dafür passenden Lösungen hinterfragt. Diese kritische Herangehensweise muss besonders gewürdigt werden, birgt sich darin doch die wesentliche Botschaft für die Übertragung des Konzeptes auf andere Aufgabenstellungen.
Angesichts der zunehmenden Wohnungsknappheit in Ballungszentren und den lauter werdenden Rufen nach bezahlbarem Wohnen, wird es spannend sein zu beobachten, welche Wohnkonzepte und -formen eine Zukunft haben werden. Eine Chance für die Architektenschaft, sich konstruktiv einzubringen.
75 % der Deutschen offen für Smart-Home-Lösungen
Großes Potential für Intelligentes Wohnen in Deutschland / Verbraucher haben hohe Erwartungen an Kostenersparnis und Transparenz des eigenen Energieverbrauches
8. Oktober 2012 - Rund drei Viertel der Deutschen sind bereit, Smart-Home-Lösungen in ihrem Privathaushalt einzusetzen. Begründet ist diese hohe Bereitschaft in erster Linie in der Erwartung, die Gesamtkosten der Haushalts-Energieversorgung durch Einsatz neuer Technologien deutlich zu senken und nebenbei einen persönlichen Beitrag zur Energiewende beizusteuern. Weiterhin wichtig ist der Wunsch, durch Smart-Home-Lösungen Transparenz über den Verbrauch von Strom und Heizungsenergie zu gewinnen, um den eigenen Energieverbrauch besser beobachten, steuern und kontrollieren zu können. Kostenkontrolle und Transparenz stehen demnach ganz oben auf der Liste möglicher Beweggründe der Bundesbürger, Smart-Home-Lösungen in den eigenen vier Wänden einzusetzen.
Smart Home – Intelligentes Wohnen – wurde im Rahmen der Studie „Zukunftsbilder der digitalen Welt“ thematisiert. Der MÜNCHNER KREIS hatte 2011 in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungs- und Beratungsunternehmen TNS Infratest und vielen weiteren Unternehmen die Studie zu Zukunftsthemen durchgeführt. Befragt wurden insgesamt 1.203 repräsentativ ausgewählte regelmäßige Internetnutzer im Alter zwischen 18 und 70 Jahren. Das Thema Smart Home hat in 2012 im Zuge der Energiewende weiter an Bedeutung gewonnen. Zunehmend bieten Energieversorger und Technologieanbieter Lösungen zur intelligenten Strom- und Heizungssteuerung an. Ein erneuter Blick in die Ergebnisse der 2011er Studie lohnt vor diesem Hintergrund, denn neben den Erwartungen an eine derartige Zukunftstechnologie wurde auch der Blick auf Befürchtungen und Ängste, den sogenannten Anschaffungsbarrieren, gerichtet.
Informationsdefizite müssen abgebaut werden
So gehen laut Zukunftsstudie 49 Prozent der Befragten davon aus, dass zur vollen Nutzung der Möglichkeiten, die sich mit Smart-Home-Lösungen bieten, die bestehenden Haushaltsgeräte nicht kompatibel sind und somit neu angeschafft werden müssen. Ebenso fürchten 43 Prozent eine zu starke Abhängigkeit von der technischen Lösung und haben die Befürchtung, ihre Heizung und den Stromverbrauch im eigenen Haushalt nicht mehr eigenverantwortlich steuern zu können. Da eine intelligente Steuerung des Strom- und Heizungsbedarfs die Erfassung und Analyse entsprechender Verbrauchsdaten voraussetzt, sehen 35 Prozent zudem die Gefahr der Verletzung der Privatsphäre durch Datenmissbrauch. Überraschend bei den Ergebnissen, dass nur 14 Prozent befürchten, derartige neue Technologien ließen sich nur schwierig bedienen, womit aber auch gleichzeitig ein hoher Anspruch an das Produktangebot definiert ist, muss es doch einfach zu installieren, zu bedienen und zu warten sein.
Kundenutzen steht im Vordergrund
Bemerkenswert ist eine weitere Erkenntnis der Studie: Rund ein Drittel der Befragten scheint keinen Mehrwert von Smart-Home-Lösungen im Vergleich zur konventionellen Zeitschaltuhr oder automatischen Temperaturregulierung zu erkennen. Eine Aufgabe, der sich insbesondere das Produktmanagement und Produktmarketing stellen muss. „Bei der Vermarktung von Smart-Home-Lösungen muss der Kundennutzen klar und deutlich herausgestellt werden. Dieser muss belastbar sein und sich schließlich im Betrieb in den eigenen vier Wänden unter Beweis stellen“, fasst Apostolos Apergis, Bereichsleiter Energiemarktforschung bei TNS Infratest, die Ergebnisse der Studie zusammen. „Es gibt eine relativ klare Vorstellung davon, was Smart-Home-Systeme leisten müssen. Aber die Anschaffungsbarrieren sind hoch. Aufgabe der Unternehmen ist es nun, Smart-Home-Lösungen noch deutlicher von konventionellen Heizungssteuerungslösungen zu differenzieren und die Vorteile für den Kunden in der Kommunikation mit ihm klar zu kommunizieren. Diese Vorteile müssen belegbar sein“, betont Apergis, „sonst werden sich die Anbieter nicht dauerhaft in diesem lukrativen Marktsegment halten können“.
Weitere Informationen zur Studie und zum Forschungsbereich Energiemarktforschung bei TNS Infratest unter www.zukunft-ikt.de
Wohngebäude mit Zukunft: Wir brauchen die Laptop-Immobilie
Autorin: Dagmar Hotze | Bilder: greenIMMO
9. März 2012 - Wer sich mit zukunftsfähigem Wohnen beschäftigt kommt um diese Themen nicht herum: Die Idee vom vernetzten Wohnen, vielfältige Nutzungsmöglichkeiten durch flexible Grundrissgestaltung, Barrierefreiheit aller Räume und nachhaltiger Wohnungsbau nach den Standards der DGNB. Alle Vorstellung haben ihre Vor- und Nachteile, werden von unterschiedlichen Beteiligten mal für gut befunden und mal für überflüssig gehalten. Fakt ist, zwischen Theorie und Praxis klafft im zeitgemäßen und zukunftsfähigen Wohnimmobilienbau eine riesige Lücke. Mit der Folge, dass die jetzt entstehenden Wohngebäude kaum den Ansprüchen gerecht werden, die ihre Nutzer heute oder morgen (Lebenszyklus!) an sie stellen werden.
An dieser Stelle soll nun nicht auf die zum Teil widerstreitenden Interessen der Beteiligten und Umstände eingegangen werden, die zu dem nach wie vor unzeitgemäßen Wohnbau führen. Hier soll versucht werden, die Wohnimmobilie aus der Sicht des Nutzers zu definieren. Und der ist es aus anderen Bereichen (Autoindustrie, Unterhaltungselektronik, IT- und Telekommunikation) gewohnt, ohne grossen Aufwand, Dinge austauschen zu können und nach seinen individuellen Vorstellungen jederzeit zu konfigurieren. Kauft oder mietet er eine Wohnung ist damit Pustekuchen – die Planung sah Flexibilität, modulare Funktionalität und eine vernetzte Infrastruktur nicht vor. Dumm gelaufen! Nun hat er einen veralteten Standard und will zukunftsfähig wohnen. Das ist so, als wenn er auf einem Windows 95-Rechner Internetfernsehen gucken möchte. Es funktioniert nicht!
Bleiben wir bei der IT und wagen einen Vergleich: Wer heute ein Notebook kauft, bekommt bereits in der mittleren Preislage ein Gerät, das über zahlreiche Anschlussmöglichkeiten und vorinstallierte Features verfügt: Mehrere USB-Ports, HDMI-Schnittstelle, integrierte Webcam, Speicherkarten-Slots sowie Köpfhörer-Anschluss und Mikrofon-Eingang – alles Standard. Niemand würde ein Laptop ohne diese Funktionen kaufen wollen. Was sollte er auch damit anfangen? Bei der Wohnimmobilie verhält es sich dagegen anders. Hier akzeptiert der Nutzer (gezwungenermaßen) Zustände, die er beim Laptop oder beim Automobil niemals duldet. Nehmen wir die Elektroanschlüsse als Beispiel: Eine Steckdose im Flur für den Staubsauger, zwei im Bad für Fön und Rasierer. Welcome back to the 70s. In der Küche, im Schlafzimmer, im Kinderzimmer, überall das gleiche Desaster.
Nein, wer zukunftsfähig Wohnen möchte, benötigt eine Laptop-Immobilie, die sich erweitern und upgraden lässt. Je nach dem, was man in den Räumen machen möchte, passen sie sich den Vorstellungen an. Ohne Stemmen, Schlitzen, Hämmern, Bohren oder gar Abriss von Wänden. Möchte man eine Fotokamera an ein Laptop anschließen, benötigt man schließlich auch keine neue Grafikkarte. Sie ist standardmäßig in guter Qualität vorhanden. Warum also ist es bei Wohnimmobilien so schwierig, dem Nutzer einen zeitgemässen Standard zu offerieren? Es wurde noch kein Standard für Wohnimmobilien definiert, sagen Sie, wie bei der IT üblich, damit alles zueinander passt? Ja, richtig. Jeder am Wohnbau Beteiligte werkelt vor sich hin. Eine nachhaltige und damit zeitgemäße Bauprozesskultur, die sowohl dem Nutzer als auch der Immobilie (Drittverwendung und Lebenszyklus) entgegen kommt, fehlt völlig. Und das vor dem Hintergrund von Smart Cities, Smart Grids, Smart Living. Unsere Wohnung sind jedoch so dumm wie Brot.
Gebäudesanierung - zu teuer für Vermieter und Mieter?
18. Januar 2012 - Steigende Energiepreise, endliche Ressourcen und ehrgeizige Klimaziele erregen die Gemüter. Doch wir können uns an den Problemen nicht vorbeimogeln und auch keinen anderen zum Sündenbock machen. Wer verantwortlich denkt, muss jetzt auch verantwortungsvoll handeln.
Auf viele Bundesbürger kommen in diesem Jahr wieder höhere Energiekosten zu. Nach einer aktuellen Analyse des unabhängigen Verbraucherportals toptarif.de haben bisher 139 Stromversorger konkrete
Strompreiserhöhungen für 2012 von bis zu 14,6 Prozent angekündigt. Für Gaskunden steigen die Preise bei mindestens 83 Unternehmen im Januar und Februar um bis zu 21,8 Prozent. Die steigenden
Preise sind aber nur die sichtbaren und schmerzhaften Auswirkungen des jahrzehntelangen sorglosen Umgangs mit Energie. „Das Umdenken hat gerade erst begonnen“, stellt Thorsten Hausmann von der
Hausmann Hausverwaltung fest. „Das kann ich bei den jetzt wieder anstehenden Eigentümerversammlungen regelmäßig beobachten.“
Einzelmaßnahmen statt Masterplan
Die Bundesregierung verfolgt ehrgeizige energie- und klimapolitischen Ziele. Dadurch werden die privaten Haushalte milliardenschwer belastet, hat die im Dezember 2011 in Zusammenarbeit mit dem Hamburgischen WeltWirtschaftsinstitut (HWWI) veröffentlichte Shell Hauswärme-Studie ergeben. Die rund 40 Mio. privaten Haushalte in Deutschland verbrauchen etwa 28,5 Prozent der Energie. Da bis 2030 nur etwa 16 Prozent der gesamten Wohnfläche erneuert werden, muss der Wohnungsbestand energetisch saniert werden. Wird die jährliche Sanierungsrate von jetzt einem auf zwei Prozent des gesamten Gebäudebestandes verdoppelt, müssten bis 2030 rund 750 Milliarden Euro investiert werden. Dadurch könnte der Energieverbrauch um bis zu 40 Prozent und die Treibhausgasemissionen würden um bis zu 44 Prozent sinken. Das Ziel der Bundesregierung ist eine Senkung der Klimagase um 40 Prozent – allerdings schon bis 2020! Es wird also eng.
Gleichzeitig gibt es weniger Fördergeld von der KfW. Wer im Jahr 2012 eine Solarstromanlage installiert, bekommt für den produzierten Strom 15 Prozent weniger Geld als bisher. Die Netzbetreiber zahlen für jede Kilowattstunde (kWh), die sie ins öffentliche Netz einspeisen, statt wie bisher 28,74 Cent nur noch 24,43 Cent. Das Programm Energetisch Sanieren wird jedoch mindestens bis 2014 fortgesetzt. Bodo Staab von heizkostenfuchs.de ergänzt, dass neben der Reduzierung beim Solar-Strom auch die Fördersätze für Solar-Wärme gesenkt werden: „Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) senkt die Förderung pro Quadratmeter Sonnenkollektor von 120 Euro auf 90 Euro. Auch der Kessel-Modernisierungsbonus wird gesenkt. Diesen erhalten alle, die parallel zum Einbau einer Solar-Wärme-Anlage auch noch den alten Kessel sanieren. Hierfür gibt es 2012 noch 500 Euro statt 600 Euro“.
Der Bund stellt jährlich 1,5 Milliarden Euro für Darlehen und Zuschüsse bereit. Die Förderung kann also bei weitem nicht ausgleichen, was an Belastungen auf Immobilieneigentümer zukommt – besonders, wenn man bedenkt, dass die Wohnungskaltmieten nach Auskunft von Haus & Grund mit den Steigerungen der Verbraucherpreise in den vergangenen 15 Jahren nicht Schritt halten konnten.
Geld versus lebenswerte Umwelt?
Woher also soll das Geld für die dringend notwendigen Sanierungen kommen? Unser ganzes Wirtschaftssystem ist darauf ausgerichtet, dass Investitionen sich lohnen müssen. Anderenfalls gerät der Einzelne ins Hintertreffen. Doch Investitionen in Energiesparmaßnahmen lohnen sich bei weitem nicht so sehr, wie die meisten anderen Anlagen. Kein Wunder also, dass viele zögerlich reagieren. Dabei ist keine Zeit zu verlieren. „Vielleicht ist es hilfreich, über das Wort lohnend nachzudenken“, sagt Thorsten Hausmann. „Was lohnt sich denn mehr – der bessere Zinssatz einer Geldanlage oder eine lebenswerte zukunftsfähige Umwelt? Gewiss, so zu denken ist noch ungewohnt, aber die Bedeutung von Geld wird immer mehr verschwinden, die Bedeutung einer lebensdienlichen Welt dagegen ständig steigen.“
Dazu passt abschließend das Zitat von George Bernard Shaw: „Die vernünftigen Menschen passen sich der Welt an; die unvernünftigen versuchen, sie zu verändern. Deshalb hängt aller Fortschritt von den Unvernünftigen ab.“





