Digitalisierung wird für Immobilienunternehmen zum Prüfstein 

 

2. Oktober 2015 - Am 17. und 18. September 2015 fand in Berlin der zweitägige Kongress "Die digitale Zukunft der Immobilienwirtschaft" statt, der einen weiten Bogen von der Digitalisierung von Geschäftsmodellen bis zum Risikomanagement von Immobilieninvestments im Internetzeitalter spannte. Zu den Referenten gehörte u. a. Prof. Dr. Carsten Lausberg von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, der zu Beginn einen umfassenden Einblick in das Thema gab und auf die Tragweite der Digitalisierung hinwies. Es gehe nicht um den bloßen Transfer von analogen Daten ins Digitale, sondern um ein grundsätzliches Umdenken, was die eigene Rollen und das Geschäftsmodell betrifft und insbesondere darum, die Innovationskraft des Unternehmens zu hinterfragen, die benötigt wäre, damit die Anpassung auf das Internetzeit gelingt. Anregend war besonders der Vortrag von Martin Rodeck, Managing Director der von OVG Real Estate, der darauf hinwies, dass in nicht all zu ferner Zukunft vielleicht die Daten von Büronutzern lukrativer sind, als der monatlich zu erzielende Preis pro Quadratmeter Mietfläche und der Input von Günter Neumann, Vorstand von CREIS Real Estate Solutions, der Klartext sprach und die digitale Transformation nicht als "Wunschkonzert" missverstanden wissen möchte. Standards seien nur mit Transparenz zu erreichen und daran wäre nicht allen Beteiligten - trotz gegenteiliger Behauptung - gelegen. Denn intransparente Märkte hätten auch ihre Vorteile - zumindest für einige.  Warum nicht einen webbasierten Immobiliendatenpool schaffen, auf den alle an der Objektbewirtschaftung Beteiligten zugreifen können, regte Heike Günding, operative Chefin bei Bilfinger RE in ihrer Präsentation und plädierte für die "XXL-Cloud".

Wie mutig ist die Immobilienwirtschaft und packt die Chancen der Digitalisierung beim Schopf? © Dagmar Hotze
Wie mutig ist die Immobilienwirtschaft und packt die Chancen der Digitalisierung beim Schopf? © Dagmar Hotze

 Nicht Big, sondern Smart Data sind gefragt


Wegweisend für die Wohnungswirtschaft könnte sein, was Vorstandschef Markus Terboven für die Gewobag plant. So sollen Mieter zukünftig proaktiv Services rund um das Wohnen angeboten bekommen, von baulichen Maßnahmen (Kücheneinbau) bis zu altersgerechten Diensten (z.B. Ambient Assisted Living). Die Zusatzleistungen könnten über monatliche Zahlungsmodelle abgewickelt werden. Grundlage dafür sei allerdings eine moderne Datenanalyse. Doch ob und woran man genau arbeite, dazu wollte sich der Immobilienprofi nicht in die Karten schauen lassen. Bemerkenswert war außerdem Dr. Emilio Matthaei mit seinen Überlegungen zu Big Data oder besser Smart Data und wie und wofür derartige Technologien zur Potenzialanalyse im Lebenszyklus von Immobilien genutzt werden können. Fazit: Der Besucher erhielt in den zwei Tagen einen umfassenden Einblick in den momentanen Stand der Branche in Sachen Digitalisierung. Dabei wurde jedoch auch deutlich, dass die Digitalisierung einen grundlegenden Wandel bedeutet, sie allerdings im Gegensatz zu anderen Branchen bisher - wenn überhaupt - nur in Anfängen entsprechend aufgestellt ist. Sei es in technischer Hinsicht oder unter dem Gesichtspunkt von entsprechend kreativen Köpfen.  

Christine Döbler, Konferenzmanagerin, Kompetenzzentrum Real Estate, Management Circle AG
Christine Döbler, Konferenzmanagerin, Kompetenzzentrum Real Estate, Management Circle AG

Nächste Digital-Konferenz schon in Planung


Wer sich in diesem Jahr keine Anregungen für die digitale Transformation holen konnte, darf sich auf 2016 freuen. Denn dann wird die Veranstaltung fortgesetzt, sagt Christiane Döbler: " Die positive Resonanz auf unsere Konferenz „Die digitale Zukunft der Immobilienwirtschaft“ belegt, dass die Digitalisierung auch in der Immobilienwirtschaft angekommen ist und sie vor nicht zu unterschätzende Herausforderungen stellt. Vorreiter sind einige große Player sowie aber auch das eine oder andere kleine, innovative Unternehmen. Ihre Erfolge werden den Immobilienmarkt nachhaltig verändern. Andere Unternehmen werden nachziehen, angefangen von der Umstrukturierung einzelner Prozesse bis hin zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Daher gehe ich ganz sicher davon aus, dass der Informationsbedarf und der Austausch mit Tech-Unternehmen zunehmen wird. Management Circle trägt diesem Trend Rechnung und bietet in den nächsten Monaten weitere Seminare und Konferenzen rund um die Digitalisierung der Branche an, zB in der Planung, im Property Management etc. Die Fortsetzung der Reihe „Die Digitale Zukunft der Immobilienwirtschaft“ ist für Mai 2016 geplant. Dort bilden wir die Entwicklung ab und informieren die Teilnehmer über Notwendigkeiten, Trends und Problemlösungen." Also: Vormerken!