Co-Geschäftsführer Ralf F. Bode (Bild: agradblue GmbH)
Co-Geschäftsführer Ralf F. Bode (Bild: agradblue GmbH)

Die unterschätzte Gefahr: Klimarisiken von Immobilien

 19. März 2020 - Die Agradblue GmbH wurde zusammen mit der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e. V. (DENEFF) und TME Associates mit dem Immobilienmanager Award 2020 in der Kategorie "Nachhaltigkeit" ausgezeichnet. Das Trio hat einen branchenübergreifenden, offen Datenstandard für mehr Klimaschutz in Gewerbe-immobilien entwickelt, der allen Immobilien-Stakeholdern wertvolle Steuerungsindikatoren bietet.  greenIMMO hatte die Gelegenheit mit agradblue-Chef Ralf. F. Bode über die Bedeutung von CO2 als Risikofaktor zu sprechen.

 greenIMMO: Herr Bode, wie ist die im Klimaschutzprogramm 2030 enthaltene CO2 -Bepreisung von Immobilienhaltern und -investoren aufgenommen worden? Sie waren im Herbst 2019 auf der Expo Real, wie kam das Thema dort an?

 

Ralf F. Bode: Hinter den vorherrschenden Themen, wie dem Mangel an guten Produkten zu angemessenen Preisen und daraus folgenden Strategien wie „Manage to Core“, war das Thema Klimaschutz in den Gesprächen immer auch präsent. Union Investment hat sogar im Rahmen ihre „Manage to Green“-Strategie pünktlich zur Expo Real ihr gemeinsam mit uns entwickeltes Bewertungssystem „atmosphere“ vorgestellt, in dem der Klimaschutzpfad einen wichtigen Aspekt des Rankings darstellt.

 

greenIMMO: Nun sind die 25 Euro pro Tonne CO2, mit dem das Pricing ab 2021 beginnt, nicht wirklich hoch, um motivierend zu wirklich. Können sich Gebäudeeigentümer also zurücklehnen, weil es nicht so teuer wird?

 

Ralf F. Bode: Dieser Preis ist als Einstieg in die Regulierung der CO2-Emissionsmengen zu verstehen. Die Deckelung per Emissionshandel ab 2025 ist ja bereits geplant. Immobilieneigen-tümer mit einer auch nur kurzfristigen Haltestrategie sollten also dringend das Thema Klimaschutz in ihr Risikomanagement integrieren. Am Anfang muss dabei eine Positionsbestimmung stehen: Welche Emissionen verursache ich? Mit welchen Objekten? Welchen Wert haben diese Gebäude? Und welche Optionen zu Investment oder Desinvestment habe ich?

 

greenIMMO: Im internationalen Immobiliengeschäft spielen CO2 -Emissionen bereits eine Rolle, nicht zuletzt weil Banken entsprechende Informationen erwarten. Haben Kreditgeber hierzulande Klimarisiken ebenso im Blick?

 

Ralf F. Bode: Absolut. Die Berlin Hyp AG beispielsweise, bearbeitet den Markt sehr differenziert. Wenn Sie dort mit Herrn Schukat sprechen, wird er Ihnen sagen, dass ein innovativ ausgestattetes, klimafreundliches Gebäude ein geringeres Risiko darstellt und dieses Risiko bei der Kreditvergabe berücksichtigen. Im Übrigen schauen auch eigenkapitalbasierte Investoren wie Union Investment sehr genau hin, was sie ins Portfolio nehmen und belegen unter anderem Gebäude ohne automatisierte Verbrauchsmessung schon im Ankauf mit dem Aufwand für Nachrüstungen.

 

greenIMMO: Wie sollten Eigentümer vorgehen, um den klimabezogenen Risiken ihrer Gebäude auf die Schliche zu kommen?

 

Ralf F. Bode: Nach der bereits erwähnten Standortbestimmung, also sobald ich weiss, wo meine größten Risiken liegen, geht es um aktives Asset-Management. Jeder Gebäudeeigentümer sollte/ muss sich seine Immobilien mit einem Energie- und Emissionsaudit genau ansehen und dann entscheiden, ob sie auf dem Zielpfad der weitgehenden Klimaneutralität bis 2050 zu bringen sind. Die bis dahin ohnehin anstehenden Maßnahmen am Objekt (Revitalisierung, Technik oder beim Mieterwechsel) sollten sich dann eng an der regulatorischen Anforderungen orientieren.

 

greenIMMO: Wie verhält es sich in Richtung der Mieter mit der CO2 -Transparenz? Sind Eigentümer ihnen gegenüber auskunftspflichtig bzw. können beispielsweise Büromieter einen Nachweis über die CO2 -Emission ihrer Mietfläche verlangen?

 

Ralf F. Bode: Das wäre sicher ein guter Weg, um das Gespräch zwischen Mieter und Vermieter zu fördern und zu einer echten Kooperation zu kommen, die in Sachen Klimaschutz sehr notwendig wäre. Allerdings ist der Mieter, von großen konzerngebundenen und standortübergreifenden Nutzern abgesehen, noch immer schwer zu greifen. Zwar können Mieter den Energieausweis mit den darin ausgewiesenen Emissionskennwerten einsehen, insgesamt hält sich das Interesse daran, wie auch an der Zusammenarbeit im Rahmen von „grünen Mietverträgen“, nach meiner Wahrnehmung bislang in engen Grenzen.