EMPORIO Hamburg
Nur wer sich ändert, bleibt sich treu
Mehr als nur die Revitalisierung eines Gebäudes: Wirtschaftliches Umdenken und gesellschaftlicher Wandel am Beispiel des EMPORIO Hamburg
23. März 2012 - Trotz seiner markanten Silhouette hält sich das EMPORIO dezent im Hintergrund, blickt man von der Lombardsbrücke auf die Binnenalster mit ihren stilvollen Bauten. Nur wenigen Hochhäusern gelingt dieser Charme des Diskreten mitten in bester Innenstadtlage. Kommt man dem Gebäude näher, spürt man dennoch seine Dimensionen: 96 Meter hoch, in 24 Stockwerke unterteilt, mit fast 33.000 Quadratmeter Fläche. Ein filigraner Gigant.
Tradition und Moderne verstehen sich bestens miteinander | © greenIMMO
Wandel und Aufbruchstimmung in den späten 1950iger Jahren
Den Denkmal-Status sieht man dem zukunftsfähigen Green Building wahrlich nicht an. Dabei hat es eine bewegte Historie zu erzählen. Zum Zeitpunkt seiner Erbauung im Jahr 1958 durch die renommierten Architekten Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg hatte Hamburg – Deutschland insgesamt - die Wiederaufbauphase nach dem Zweiten Weltkrieg hinter sich. Politisch und wirtschaftlich orientierte man sich gen Westen, wollte aufschließen und Altes hinter sich lassen. Was hätte diesen Aufbruch besser symbolisieren können als ein Hochhaus, standen Wolkenkratzer doch synonym für Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Was einem heute, mehr als 50 Jahre später, normal erscheint, war Ende der 1950iger Jahre in Deutschland alles andere als selbstverständlich. Neue Lebensgewohnheiten, eine pluralistische Gesellschaft, wirtschaftliche Stabilität und moderne Bautypologien – vieles davon förderte ein Umdenken mit dem Mut zur Veränderung. An den Einklang von Ökologie und Ökonomie hat jedoch niemand gedacht. Im Gegenteil. Die Herausforderungen waren wirtschaftlicher Natur. Das Hochhaus der Margarine Union, der späteren Unilever, war ein Zeichen dafür, dass man sie meistern wollte.
Vor dem Beginn der Tiefbauarbeiten Anfang 2010 musste erst noch "aufgeräumt" werden | © greenIMMO
Drehort für Jerry Cotton-Film
Mitte der 1960iger Jahre entdeckte sogar die deutsche Filmindustrie das Hochhaus an der Kreuzung Dammtorwall/Valentinskamp für sich. Der Look und das Design der James Bond-Filme begeisterte Millionen Kinogänger und ließ die Kassen klingeln. Zu gerne wollten die Produzenten der Münchener Constantin Film, zu denen auch Artur Brauner gehörte, ein Stück des Kuchens abhaben. Sie planten, ebenfalls Agentenstreifen a la James Bond runterzukurbeln – nur preisgünstiger und schneller. Kurzerhand bekam der britische Agentensnob einen „amerikanisch-deutschen Neffen“ namens Jerry Cotton. Nun fehlte noch die entsprechende Großstadt-Kulisse. Aber wie bekommt ein deutscher Agentenfilm den gewissen Amerika-Touch? Hochhäuser müssen her! Nur woher nehmen, wenn nicht stehlen? Für kleines Geld wurde in New York ein Hubschrauber gechartert und Luftaufnahmen von Manhattan gedreht. Alles weitere musste kostengünstig in deutschen Studios und vor Ort gedreht werden. So kam das Unilever-Gebäude 1966 in den Jerry-Cotton-Film „Die Rechnung wird eiskalt serviert“ und bot für wenige Sekunden die Kulisse für einen Geldtransport-Überfall.
Nachhaltigkeit macht zukunftsfähig
Durch den Auszug von Unilever im Jahr 2009, ergab sich die Gelegenheit, das Gebäude zu modernisieren. Union Investment, seit 1989 Eigentümerin der Immobilie, erkannte die Chance, das innerstädtisch hervorragend gelegene Areal grundsätzlich einer zeitgemäßen Nutzung zuzuführen. Im Fokus der Überlegungen stand neben der Revitalisierung der Büroimmobilie auch die zeitgleiche Erweiterung des Geländes zu einem nachhaltigen Stadtquartier, das ökologische, soziokulturelle und ökonomische Maßstäbe für das beginnende 21. Jahrhundert setzt. Wie bereits 1958, so treiben auch jetzt wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen die Entwicklungen voran. Nicht die Büroimmobilie als bloße Arbeitsstätte steht im Vordergrund des Immobilienkonzepts, sondern die Schaffung eines in sich funktionierenden Quartiers mit unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten von Arbeiten über Wohnen bis zu Freizeitaktivitäten. So entstehen neben der unter Denkmalaspekten modernisierte Premium-Büroimmobilie EMPORIO Hamburg, das nachhaltige Hotelkonzept von Scandic sowie etwa 40 Wohnungen.
Frühjahr 2012: Endspurt für das "grüne" Quartier | © greenIMMO
Ein weiterer positiver Aspekt: Vor 50 Jahren unüberwindbare Gegensätze von Ökonomie und Ökologie werden jetzt zusammengeführt. Nachhaltigkeit, das sinnstiftende Zusammenwirken von ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten, wird zur Unternehmensstrategie – und im EMPORIO Quartier gelebtes Motto. Aus Teilsegmenten wird ein Ganzes. Welche Auswirkungen dieser Paradigmenwechsel auf die Immobilienwirtschaft, die Ökonomie insgesamt und auch für die Gesellschaft bedeuten, bleibt abzuwarten.
Im Spätsommer 2012 werden die umfangreichen Arbeiten am EMPORIO Quartier abgeschlossen sein. Die Hansestadt erhält einen „grünen“ Hotspot keine drei Minuten vom Jungfernstieg entfernt. Nur wer sich ändert, bleibt sich treu. Fehlt nur noch der Filmproduzent, der das EMPORIO als Star entdeckt.
Mit Google Street View lässt sich das EMPORIO auch "virtuell" besuchen:










